Inge Breuling ist nicht nur die Vorsitzende der Nürnberger Elterngruppe, sondern zugleich auch Vorstandsmitglied des örtlichen Lesben- und Schwulenvereins Fliederlich e.V., so dass dadurch eine gute Vernetzung gegeben ist. In der Elterngruppe selbst herrscht ein stetiger Wechsel von Personen insofern als immer wieder neue Eltern dazustoßen, dann aber nach einiger Zeit auch wieder weg bleiben. Sorgen bereiten türkische Migrantinnen aus Anatolien, die kein Deutsch sprechen und als Analphabetinnen das vorhandene Informationsmaterial in türkischer Sprache nicht lesen können. Ihre Ehemänner könnten zwar beides, aber die sollen lieber nicht erfahren, dass ihre Kinder lesbisch bzw. schwul sind! Problematisch ist ansonsten in Nürnberg auch, dass Mitteilungen – schon allein nur der Termin der Elterntreffen – nur ganz schwer in der örtlichen Presse unterzubringen sind. Die beim Nürnberger Schulprojekt aktiven Jugendlichen wollen dies lieber ohne Beteiligung von Eltern durchführen; mit dem Erlanger Schulprojekt hingegen ist jetzt eine Kooperation zustande gekommen. Im vorigen Jahr hat die Nürnberger Gruppe die BEFAH-Mitgliederversammlung mit Seminar in ihrer Stadt vorbereitet und durchgeführt. Ferner wurde die Gruppe vom neuen schwulen Fernsehsender Timm angefragt wegen einer Teilnahme an dem dortigen „Talk-Format“ „Timmousine“; Inge Breuling hat diese Gelegenheit wahrgenommen und ihre Mitfahrt im Talk-Taxi „Timmousine“ ist inzwischen erfolgt.
Inge Breuling ist auch aktiv als Repräsentantin des BEFAH im im Jahr 2000 gegründeten europäischen Dachverband der Elternorganisationen EuroFLAG (European Organisations for Families of Lesbians And Gays). Dazu gibt es derzeit nichts zu berichten außer dem Abschluss eines von der EU über zwei Jahre im Rahmen des sozialwissenschaftlich-sozialpolitischen Programms „Daphne II“ geförderten Projektes der drei EuroFLAG-Mitgliedsorganisationen in Italien (AGEDO), Spanien (AMGIL) und Großbritannien (FFLAG). Dem war eine Pilotstudie an der Universität London vorausgegangen, in der in sehr kleinem Rahmen junge Lesben und Schwule und deren Familien in Frankreich, Belgien, Deutschland und Großbritannien zu den Rahmenbedingungen des Coming outs befragt worden waren. Übereinstimmend wurden diese in allen vier Ländern als sehr unbefriedigend beschrieben: Die Aufklärung zum Thema Homosexualität im Schulunterricht war sehr dürftig bis nicht vorhanden und in keiner Weise hilfreich; gleiches galt für die Darstellung in den Medien, die als vorwiegend auf die Bedienung von Klischees und Stereotypen gerichtet und als fern der Lebenswirklichkeit junger Menschen beschrieben wurde.
Das daraufhin beantragte, bewilligte und nunmehr abgeschlossene EU-Projekt trug die offizielle Bezeichnung „Family Matters - Supporting families to prevent violence against gay and lesbian youths“
und zielte somit (ins Deutsche übersetzt und zugleich ein wenig erklärt) darauf ab, wie man Familien mit schwulen und lesbischen Jugendlichen darin unterstützen könne, auf einer Basis der innerfamiliären Akzeptanz einen psychologisch starken Rückhalt gegen soziale Stigmatisierung und Diskriminierung bis hin zu Akten antihomosexueller Gewalt aufzubauen.
Über 200 Familien aus den drei genannten Ländern waren in das Projekt einbezogen worden. An der Abschlusstagung im Juni 2008 in Florenz nahmen auch Frau Dum und zwei weitere Mitglieder der Familiengruppe von Lambda Istanbul teil. EuroFLAG plant nun für die nächste Zukunft, das erarbeitete Projektmaterial auch in andere europäische Sprachen übersetzen zu lassen und hofft, dann besonders in jenen EU-Mitgliedsstaaten, in denen es noch überhaupt keine staatliche Unterstützung für lesbische und schwule Jugendliche und ihre Familien gibt, damit die erforderlichen Entwicklungen in Gang setzen zu können.
Ansprechpartner: Inge Breuling
Telefon: 0911 / 59 76 95 24