Bundesverband der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen e.V.

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Selbstdarstellung des BEFAH

Selbstdarstellung des BEFAH e. V.

Selbstdarstellung des BEFAH e. V.
von Sigrid Pusch, (1. Vorsitzende des BEFAH e.V. bis 2006)

Wer diese Internetseite besucht hat Anteil am Wechselbad der Gefühle von Eltern, als es bei ihnen hieß: Tochter lesbisch, Sohn schwul! Auf zweierlei Weise reagierten die in der Broschüre beschriebenen Eltern: Die Eltern riegelten ab: nichts hören, nichts sehen, nichts sagen wollen. Ohnmacht auf ganzer Linie. Selten war ihnen der Sohn, die Tochter so fremd und doch so nah. Andere Reaktionen sahen so aus: Ich als Vater, als Mutter sehe mich nach Menschen mit gleichen oder ähnlichen Fragen, Sorgen und Ängsten um. Ich suche nach Verbündeten. Ich ringe darum, dass es mir wieder gut geht, mit mir selbst und mit meinem Sohn, meiner Tochter. Das ist schnell geschrieben, aber nicht leicht in den Alltag übertragen. Der Weg zu sich selbst und aufs Neue zu den Kindern ist eher mühsam und langwierig. Die Beziehung zwischen den Eltern und Kindern steht auf dem Prüfstand. Oft aber nicht nur die, sondern auch das Verhältnis der Eltern zueinander. Der Vater reagiert ablehnender als die Mutter. Die Mutter wird zur heimlichen Vertrauten des Sohnes, der Tochter. Was vorher fern und immer bei den Anderen geschah, ist plötzlich und unerwartet in die eigene Welt eingebrochen. Die Außenwelt in Gestalt der Verwandten, Bekannten, Kollegen, Nachbarn und anderen Menschen erscheint bedrohlich: "Was sollen die Leute denken!" Ein schwuler Sohn und eine lesbische Tochter ist keineswegs selbstverständlich. Wer rechnet schon mit "so" etwas? Ausnahmen, bei denen die Eltern eher gefasst und selbstbewusst reagieren, sind selten und bestätigen die Regel. Darum ist es gut, wenn Andere da sind, die sich nicht abwenden, die mit einem reden. Menschen zu begegnen, die schon ein Stück des Weges gegangen sind, denen ich mich anvertrauen, bei denen ich nachfragen kann, sind wie Geländer, die Halt geben. Von solchen Menschen ist hier die Rede:

Vor etwa 20 Jahren entstanden in vielen Städten Elternselbsthilfegruppen, in denen sich Eltern von homosexuellen Kindern zusammengefunden haben. In allen Gruppen fand mehr oder weniger immer das Gleiche statt: Eltern nutzten diese Treffen, um sich gegenseitig offen und vertrauensvoll über ihre Kümmernisse auszutauschen, denn die anderen Teilnehmer hatten das gleiche Anliegen. In welcher Stadt die erste Elterngruppe in Deutschland entstanden ist, spielt heute keine Rolle mehr. Wichtig war der erste Schritt in die richtige Richtung. Mitglieder dieser Gruppen haben sich alle zwei Jahre zu Bundeselterntreffen zusammengefunden. Es wurden auf diesen Treffen Erfahrungen ausgetauscht, und durch die Begegnungen wuchs allmählich eine Vertrautheit unter den Teilnehmern, die von menschlicher Verbundenheit geprägt ist. Diese Treffen fanden immer in anderen Städten statt, so in Arnoldshain (Hessen), Braunschweig (Niedersachsen), Dresden (Sachsen), Hamburg und das letzte 1999 in Nürnberg (Bayern). Auf dem Hamburger Treffen im September 1997 wurde der Beschluss gefasst, einen Bundesverband zu gründen. Die Eltern wollten gemeinsam die Aktivitäten der bis dahin allein agierenden Elterngruppen koordinieren. Sie wollten auf diese Weise ihre Arbeit in der Gesellschaft deutlich zur Sprache bringen und zugleich den Menschen ihre Forderungen für ihre Kinder bewusst machen. Eltern lernten, was es heißt, selbst zur Minderheit geworden zu sein. Sie handeln seitdem nach dem Motto: "An uns kommt keiner mehr vorbei!" Am 27. November 1997 war es geschafft. In Laatzen (bei Hannover) fand die Gründungsversammlung statt. Seit dem gibt es BEFAH, den Bundesverband der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen e.V.

Grußworte von Persönlichkeiten wie dem damaligen Niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder, von Frau Bischöfin Maria Jepsen, Rainer Jarchow (AIDS-Pastor in Hamburg), Günter Dworek (Sprecher des Schwulenverbandes in Deutschland) und anderen begleiteten die Gründung. Die Eröffnungsrede hielt die Bundestagsabgeordnete Margot von Renesse, die bis heute maßgeblich an der Erarbeitung des Lebenspartnerschaftsgesetzes beteiligt ist.