Unser Kind könnte einsam und unglücklich werden.


BERLIN SAGT JA Postkarte der Aktion vom Herbst 2000


Wenn Lesben und Schwule durch ihr Coming-out aus allen freundschaftlichen und familiären Bindungen herausfallen, "den Stuhl vor die Tür gesetzt bekommen", besteht die große Gefahr, dass sie zum Alkohol greifen, Drogen nehmen oder sogar Selbstmord begehen, besonders dann, wenn auch noch ihre ersten Liebesbeziehungen scheitern. Sie haben dann niemanden mehr, an den sie sich Hilfe suchend wenden oder von dem sie Trost erfahren könnten. Wie alle Menschen brauchen Lesben und Schwule andere Menschen, die ihnen nahe stehen. Eine Umfrage unter Lesben und Schwulen bestätigt, dass auch für sie feste Bindungen ganz wichtig sind: Diejenigen, die in einer festen Beziehung leben, sind zu 84,8% mit ihrer gegenwärtigen Lebensform sehr zufrieden und können sich vorstellen, mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin alt zu werden. Dagegen leben von den Singles nur 13,7% der Schwulen und 5,3% der Lesben gern so. 76,7% der Singles würden lieber in einer festen Beziehung leben. Weil diese nahen Beziehungen für das grundlegende Wohlbefinden der Menschen so wichtig sind, hat sich der Staat in der Verfassung verpflichtet, diese Beziehungen besonders zu schützen:
Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.
Grundgesetz Art. 6, (1)

Bis heute werden vom Gesetzgeber Unterschiede gemacht zwischen heterosexuellen und lesbischen oder schwulen Beziehungen. Manche Juristinnen und Juristen sind der Meinung, das Wort "Ehe" könne sich nur auf verschiedengeschlechtliche Paare beziehen und mit "Familie" seien ausschließlich Vater, Mutter und ihre Kinder gemeint. Die Begriffe "Ehe" und "Familie" sind in der Tat mit dieser klassischen Vorstellung untrennbar verbunden. Das entkräftet aber die Forderung jener gleichgeschlechtlichen Paare nach einer gesetzlichen Absicherung ihrer auf Dauer angelegten Lebens- und Einstehensgemeinschaft nicht. Gleichgeschlechtliche Lebenspartner dürfen vor dem Gesetz nicht länger als Fremde gelten. Dadurch werden sie zu Menschen zweiter Klasse degradiert. Hier muss noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.

 


Manche Eltern leiden darunter, dass sie ihren Kindern nicht bei der Suche nach einem guten Partner oder einer guten Partnerin helfen können. Sie machen sich Sorgen, weil es bei Lesben und Schwulen oft länger dauert als bei Heterosexuellen, bis sie einen solchen Partner finden. Denn wenn Heterosexuelle schon längst mit der Suche nach dem richtigen Partner beschäftigt sind, schlagen sich viele Lesben und Schwule noch mit der Frage herum, ob sie nicht doch eine Beziehung mit einem Menschen des anderen Geschlechts hinkriegen könnten.


Wenn Eltern jedoch sehen, dass ihr Kind "in guten Händen" ist, ist das Lesbisch- oder Schwulsein kein Grund mehr, sich Sorgen zu machen: