Eltern gesucht

Eltern gesucht, die etwas zu erzählen haben!
ein Beitrag von Queer Format


Liebe Eltern!  

Egal ob in der Kindheit, während der Jugend oder im Erwachsenenalter - wenn ein Mensch merkt, dass er lesbisch, schwul oder bisexuell liebt oder sich nicht so als Mann oder Frau fühlt, wie alle es erwarten, geht es oft erst einmal drunter und drüber. Die Auseinandersetzung mit diesen Themen ist für LSBT* (lesbisch, schwul, bisexuell, trans*) Menschen meist ein lang währender Prozess. Die eigene Familie spielt dabei eine große Rolle: denn von Eltern, Geschwistern oder anderen Verwandten anerkannt zu werden, so wie man selber leben möchte, ist vielen Menschen sehr wichtig.
Das Coming-Out (die Zeit, in der eine Person beginnt, anderen davon zu erzählen) ist auch für Eltern oft eine turbulente Zeit, in der sie Neuigkeiten verarbeiten müssen. Doch während für LSBT* lebende Menschen meist Beratungsangebote und Literatur vorhanden sind, wissen Eltern oft nicht, wo sie Austausch und Antworten auf ihre vielen offenen Fragen finden können.

Deshalb wollen wir in einer Broschüre die Erfahrungen von Eltern mit dem Coming-Out ihrer Kinder zusammentragen: als Ratgeber für andere Eltern, die jetzt in der selben Situation sind. So soll ganz unkompliziert ein indirekter Austausch mit anderen Eltern möglich werden. Wir sind die Initiative QUEERFORMAT, die im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung, den „Aktionsplan gegen Homophobie" in den Bereichen Schule und Jugendhilfe umsetzt. Die Broschüre wird kostenlos bei Jugendhilfeeinrichtungen, Schulen und freien Trägern ausliegen.
15 Berichte von Eltern für Eltern sollen es werden - mit Erzählungen über die schwierigen, verwirrenden und schönen Erlebnisse rund um das Coming-Out ihrer Kinder. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung. Wir suchen Eltern, die ihre eigenen Erfahrungen in einem kurzen Bericht (an die 1-3 Seiten / 600-1800 Wörter) mit anderen teilen. Verstärkt wollen wir Eltern zum Mitmachen ermutigen, die vom Coming-Out ihres Kindes vor nicht länger als 7-10 Jahren erfahren haben, so dass in der Broschüre neben älteren auch aktuelle Geschichten erzählt werden. Das Alter Ihres Kindes während des Coming-Out spielt dabei keine Rolle. Wir möchten trans*, bisexuelle, schwule und lesbische (und noch andere?) Coming-Outs in der Broschüre berücksichtigen. Ob sich Ihr Kind wirklich genauso bezeichnet, oder vielleicht als „gay", oder ob sich die Begriffe mit der Zeit mehrmals geändert haben spielt dabei keine Rolle. Ihre Geschichte in ihrer Einzigartigkeit - egal wie komplex oder einfach sie Ihnen scheint - ist uns wichtig, um die Vielfalt an Coming-Out-Erfahrungen wiederzugeben! Das heißt auch, dass Beiträge über Coming-Outs von POC (People of Colour / Menschen, die Rassismus erfahren), Migrant_innen, Menschen mit Behinderung, intergeschlechtlichen Menschen, Menschen verschiedenen Alters, und Menschen aus verschiedenen Einkommens und Bildungsgruppen gewünscht sind.
Die Berichte werden auf Wunsch mit fiktivem Namen veröffentlicht. Sie können uns Ihren Bericht auch anonym per eMail oder Post schicken und gerne auch in Ihrer Muttersprache verfassen. Die Beiträge werden dann ins Deutsche übersetzt.


Bei Interesse und Fragen wenden Sie sich an:
Anne Zündorf
QUEERFORMAT
Sanderstraße 15
12047 Berlin
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Tel: 030-922 50 844 / Fax: 030-922 50 845

Wir hoffen sehr auf Ihre Kooperation, so dass diese Broschüre ein Erfolg wird! Bis Mitte Juli brauchen wir im Idealfall die fertigen Berichte. Geben Sie uns doch bitte eine kurze Rückmeldung, ob sie Interesse haben einen Bericht zu schreiben.

Mit freundlichen Grüßen
Anne Zündorf

Fragen an denen Sie sich für Ihren Elternbeitrag orientieren können:

Erzählen Sie ein bisschen über sich, Ihr Kind, ihre Familie: Wo leben Sie (Stadt, ländlich etc.)? Was machen Sie beruflich? Was machen Sie zusammen in der Familie? Wie viele Menschen sind in Ihrer Familie?... So können Leser_innen Sie ein bisschen kennenlernen.

Zu den verschiedenen Fragen können Sie gerne beispielhaft von bestimmten Erlebnissen, Unterhaltungen, Gefühlen, Situationen und Erfahrungen erzählen:

  1. Wann haben Sie das erste Mal über das lesbisch, schwul, bi, trans* sein Ihres Kindes nachgedacht?
  2. Wann und wie haben Sie davon erfahren, dass Ihr Kind lesbisch, schwul, bi, trans*... ist?Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie sich diesen Neuigkeiten bewusst wurden? Wie haben sie sich gefühlt?Wie haben Sie reagiert? Wie sind Sie im Verlaufe der Zeit damit umgegangen?
  3. Wieviel Zeit haben Sie sich genommen, um sich mit den Neuigkeiten auseinanderzusetzen? Wie haben Sie sich damit auseinandergesetzt?
  4. Hat sich Ihr Verhältnis zu Ihrem Kind verändert? Wenn ja: wie war es vorher, wie war es nachher?
  5. Hat sich Ihre Einstellung zu lesbischen, schwulen, bi oder trans* Menschen gewandelt? Wenn ja, wie?
  6. Wie gehen Sie gegenüber Menschen in Ihrer Umgebung mit der Lebensweise Ihres Kindes um? Welche Situationen haben sie positiv und negativ bewegt?
  7. Was sind positive Erfahrungen, die Sie gemacht haben?
  8. Haben Sie auch Ängste und Sorgen? Was waren besonders schwierige Momente, wie haben sie diese erlebt?
  9. Was würden Sie anderen Eltern, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, gerne mit auf den Weg geben?
  10. Welches Buch/Broschüre hat Sie unterstützt? Gab es etwas, das Sie besonders wirkungsvoll unterstützt hat?