Leserbrief an die FAZ

Zum Beitrag „Führer der Verführten“ von Heike Schmoll, FAZ v. 22. Juni 2010, Seite 8


Sehr geehrte Damen und Herren,

in Ihrem Beitrag über die Pädagogen der Odenwaldschule schreibt die Autorin, Hellmut Becker habe von der „Homosexualität Gerold Beckers und dem damit einhergehenden Risiko für das Internat“ gewusst. Wenig später heißt es, nur ein einziger Mitstreiter habe sich aufgemacht, „um Gerold Becker auf die Gefährdungen anzusprechen, die von seiner Homosexualität im Rahmen einer Internatschule ausgehen könnten“.

Für den mit diesen Formulierungen angedeuteten Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie gibt es keinen einzigen wissenschaftlich fundierten Beleg.

Auf der Odenwaldschule waren im Übrigen, wie nicht zuletzt Ihre Zeitung mehrfach berichtete, Mädchen und Jungen Opfer von Übergriffen.

Homosexuell veranlagte Lehrerinnen und Lehrer stellen für die anvertrauten Kinder kein höheres „Risiko“ als heterosexuelle Lehrpersonen dar.

Das gilt für Internate wie für jede andere Schule. Wer etwas anderes behauptet, braut aus Laienpsychologie, Unkenntnis und Vorurteilen ein hochgefährliches Gemisch, das die Toleranz gegenüber homosexuellen Menschen leichtfertig in Gefahr bringt und zur Erhellung der jüngsten Missbrauchsskandale nicht das Geringste beiträgt.

Mit freundlichen Grüßen


Gabriele Stein