Sehr geehrte Frau Dr. Flachsbarth,
Danke für Ihren langen und ausführlichen Brief vom 26. 08. 2010, in dem Sie mir und uns die Argumente der CDU-CSU für die Verweigerung der Erweiterung des Grundgesetzes erläutern. Ich begreife dadurch, dass Sie und Ihre Partei sich nicht im Geringsten betreffen lassen von den Erfahrungen der Menschen. Vielmehr überschütten Sie mich mit Gesetzestexten.
Als Mutter, in deren Familie auch ein schwuler Sohn aufgewachsen ist, empfinde ich Ihre Schlussverweigerung als zynisch. Unser wunderbares Grundgesetz ist schon seit 1949 in Kraft. Es hat nicht verhindern können, dass schwule und lesbische Menschen weiterhin strafrechtlich verfolgt (bis 1969) und weiterhin
diskriminiert und verachtet wurden. Es hat auch nicht vermocht, dass schwule und lesbische Kinder in Schule und in Schulbüchern (übrigens bis heute!!) Identitätsstiftende Bilder und Vorbilder finden können. Wenn neue Erkenntnisse zu Tage treten - und ich kenne die Endlosschleife fundamentalistischer
Kreise in Kirche und Gesellschaft gegen Homosexualität - wenn also neue Erkenntnisse zu Tage treten, dann fordere ich von der Politik, dass sie Rahmenbedingungen schafft, damit diese Erkenntnisse in die Gesellschaft getragen werden. Das bedeutet für mich, dass die Politik ein öffentliches Signal sendet,
damit die Gesellschaft aufhorcht. Und die Diskriminierung schwuler und lesbischer Menschen sichtbar nicht erlaubt ist.
Als Christenmensch bin ich empört, dass ausgerechnet eine Partei, die sich auf christliche Werte bezieht, nicht diesen Werten folgt und sich für eine Minderheit einsetzt. Darüber möchte ich weiterhin mit Ihnen ins Gespräch kommen.
Mit freundlichen Grüßen
( Gudrun Held)
Zum Beitrag „Führer der Verführten“ von Heike Schmoll, FAZ v. 22. Juni 2010, Seite 8
Sehr geehrte Damen und Herren,
in Ihrem Beitrag über die Pädagogen der Odenwaldschule schreibt die Autorin, Hellmut Becker habe von der „Homosexualität Gerold Beckers und dem damit einhergehenden Risiko für das Internat“ gewusst. Wenig später heißt es, nur ein einziger Mitstreiter habe sich aufgemacht, „um Gerold Becker auf die Gefährdungen anzusprechen, die von seiner Homosexualität im Rahmen einer Internatschule ausgehen könnten“.
Für den mit diesen Formulierungen angedeuteten Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie gibt es keinen einzigen wissenschaftlich fundierten Beleg.
Auf der Odenwaldschule waren im Übrigen, wie nicht zuletzt Ihre Zeitung mehrfach berichtete, Mädchen und Jungen Opfer von Übergriffen.
Homosexuell veranlagte Lehrerinnen und Lehrer stellen für die anvertrauten Kinder kein höheres „Risiko“ als heterosexuelle Lehrpersonen dar.
Das gilt für Internate wie für jede andere Schule. Wer etwas anderes behauptet, braut aus Laienpsychologie, Unkenntnis und Vorurteilen ein hochgefährliches Gemisch, das die Toleranz gegenüber homosexuellen Menschen leichtfertig in Gefahr bringt und zur Erhellung der jüngsten Missbrauchsskandale nicht das Geringste beiträgt.
Mit freundlichen Grüßen
Gabriele Stein
Am 12.05.2010 hat Fr. Dr. Janssen für die Deutsche Bischhofskonferenz ein Antwortschreiben verfasst.
Die Antwort auf diesen Brief können Sie
hier herunterladen. Den Kommentar der Vorsitzenden des BEFAH e.V. finden Sie unter
Aktuelles.
Zum Thema Homosexualität und Kindesmissbrauch
Sehr geehrte Herren,
in der ZDF-Sendung Berlin Direkt vom 18. April 2010, 20 Uhr, wurde zum Thema „Missbrauchsskandal: Kirche am Pranger“ unter anderem Kardinal Bertone (des Papstes rechte Hand) mit der Aussage zitiert: „Er sehe eine Verbindung zwischen Homosexualität und Kindesmissbrauch!“.
Wir Eltern homosexueller Kinder, sehen in dieser Aussage eine unglaubliche Hetz-Kampagne gegen unsere Kinder!
Sicher ist Ihnen bekannt, dass die weitaus höhere Anzahl der pädophilen Missbrauchsfälle erwiesenermaßen von heterosexuellen Menschen vollzogen wird.
Wieder einmal sollen – wie so oft in der kath. Kirche - unsere Kinder herhalten um von den Missbrauchsfällen in der kath. Kirche abzulenken. Die Selbstmordrate bei homosexuellen Menschen ist 4-fach erhöht - nicht zuletzt wegen solcher unhaltbaren und diffamierenden Aussagen.
Wir erwarten von Ihnen eine Stellungnahme zu der oben angeführten Aussage des Kardinal Bertone und verlangen eine öffentliche Entschuldigung.
Eine Verleumdungsklage behalten wir uns vor.
Mit freundlichen Grüßen
W. und G. Schütz
Bundesverband Eltern, Freunde und Angehörige von Homosexuellen e.V.