Bundesverband der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen e.V.

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Grußwort zum LSVD Verbandstag

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde vom LSVD,

der Bundesverband der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen grüßt Sie alle ganz herzlich zu Ihrem Verbandstag und bedankt sich für die Einladung!

Es erstaunt uns immer wieder, mit welcher Intensität Sie nicht nur für Ihre Rechte kämpfen, sondern auch um Ihre Würde und Achtung in unserer Gesellschaft! Das lässt uns als Eltern für unsere Kinder hoffen.
Setzen doch auch wir uns dafür ein, dass unseren lesbischen und schwulen Kindern mit Achtung und Respekt begegnet wird. Doch dabei gibt es wohl noch viel zu tun! Denn die Decke Achtung scheint mir sehr dünn zu sein.

Ein Erlebnis, das ich neulich in unserer kleinen Poststelle im Dorf hatte, macht mich immer wieder nachdenklich: als ich eine Kiste Briefe brachte, studierte unsere Postfrau neugierig den Absenderstempel: Bundesverband Eltern, Freunde, Angehörige von Homosexuellen. „Was das denn sei“ fragte sie. Ich antwortete, dass einige unserer Kinder lesbisch oder schwul seien und wir uns für Achtung und gleiche Rechte für alle Menschen einsetzten. „Ich habe nichts gegen diese Menschen“, sagte sie. „Ich sehe auch immer die Sendungen im Fernsehen“
Und als ich fragte: „was haben Sie denn für diese Menschen?“ wurde sie verlegen und sagte nach langem Zögern: „na ja, man kann ja froh sein, wenn die eigenen Kinder normal sind.“ Als ich konterte: „ich finde meine beiden Kinder normal“ - war sie froh, als die Briefe im Postsack waren und ich endlich raus ging.

Ja, es gibt noch viel zu tun! Und ich finde es gut, wenn wir zusammen und miteinander über das Thema gleichgeschlechtliche Liebe laut reden und es hörbar machen, damit es nicht verschwiegen werden kann.

Eine Menge ist ja nun erreicht! Und nicht zuletzt durch Sie und Ihre Aktivitäten!
Die große Gefahr scheint mir im Schweigen zu liegen. Nach dem Motte: gib dich zufrieden und sei stille.
Nein, lasst uns zusammen nicht stille sein, vielmehr uns gegenseitig darin bestärken, den Mund aufzutun, damit wir Unruhe in die Gesellschaft bringen und für Achtung und Integration eintreten.
Dabei würde unsere gemeinsame Schlagkraft sicher dadurch erheblich verstärkt werden können, wenn sich auch Ihre Eltern als Mitglieder des Bundesverbandes der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen engagieren würden.

Mut und Kraft sowie einen langen Atem für Sie alle und Ihre Arbeit wünscht im Namen des Bundesverbandes der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen

Ihre

Gudrun Held

Hans-Jürgen Meyer wieder Pastor

Nach 30 Jahren wurden dem Pastor seine Rechte wieder zuerkannt. Man hatte ihn auf Grund seiner Homosexualität und da er sich offen dazu bekannte, 1977 aus dem Dienst der Hannoverschen Landeskirche entfernt.

Gudrun Held, Bundesvorsitzende der BEFAH, hielt am 02. September 2007, bei der Einführung des Pastors in sein Amt diese Rede:


Rede zur Einführung von Pastor Hans-Jürgen Meyer
Lieber Hans-Jürgen Meyer!

Heute stehe ich hier als Vorsitzende im Bundesverband der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen.
Ich bringe Dir die Grüße und guten Wünsche der Eltern und Angehörigen von lesbischen Töchtern und schwulen Söhnen.
Wir standen all die Jahre an Deinem Weg, haben mit Dir gehofft und gebangt und konnten erleben:

„Geknicktes Rohr wird Gott nicht zerbrechen“.
Ja, das können wir an dir ablesen. Gott sei Dank! Da hatte Gott sich eingemischt.
Wo brave Christen doch viel getan haben, um dir das Rückgrat zu brechen.
Davon konnte sie auch nicht abhalten unser Markenzeichen, das Kreuz.
Schon einmal hatte man die Liebe aufs Kreuz gelegt und festgenagelt; auf dass sie nicht himmlisch frei und schöpferisch durch die Welt sich trieb, den Menschen zur Freude und zum Leben.

Ja, Gott sei Dank! Das ist heute ein Freudentag.
Auch wenn die Frage bis heute nicht beantwortet ist: Abel, wo ist dein schwuler Bruder?
Rahel, wo deine lesbische Schwester?
Mein Zorn bleibt noch, denn ich habe nicht gehört oder gelesen, dass von nun an alle Menschen, die anders lieben, offen und wahrhaftig leben können - besonders und auch in der Kirche nicht.
Und ich weiß doch: nicht nur unsere Bischöfin möchte wahrhaftig leben.

Jedoch - ein Anfang ist gemacht.
Und die Hoffnung bleibt, dass immer wieder Rosen blühen auch mitten in der Kälte und Lieblosigkeit in dieser Welt und in der Kirche.
Und das hab jetzt zum Zeichen, Hans- Jürgen:’ Nur eine Rose als Stütze’, sagt Hilde Domin.
Doch diese Rose soll dir blühen!

Studie "Out im Office"

Neue Studie "Out im Office"

Diskriminierung am Arbeitsplatz Auch heute noch verschweigt man seine sexuelle Identität am Arbeitsplatz.

Für die Studie "Sexuelle Identität, (Anti-) Diskriminierung und Diverity am Arbeitsplatz" (2007) von Dominic Frohn wurde erstmals seit zehn Jahren eine quantitative Befragung zu gleichgeschlechtlichen Lebensweisen am Arbeitsplatz durchgeführt.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass sich die Situation der Lesben und Schwulen im Vergleich zu 1997 etwas verbessert hat. Allerdings ist sie laut Frohn noch wesentlich schlechter als unter den veränderten Bedingungen zu erwarten gewesen wäre.

Von den über 2.700 Befragten gehen nur 52% offen mit Ihrer sexuellen Identität offen am Arbeitsplatz um. Weniger als ein Viertel hat keine Erfahrungen mit Diskriminierung am Arbeitsplatz gemacht. Dagegen sind ca. 10% als hoch diskriminiert einzustufen. Diese Situation hat Auswirkungen auf psychosomatische Beschwerden, Ressourcen, Arbeitszufriedenheit und Verbundenheit mit der Organisation.


Die 50-seitige Fassung kann man auf der Seite von www.schwules-netzwerk.de bestellen.